… und dann waren es mehr als 37 Jahre. Rita Scholpp verabschiedet sich vom evangelischen Kindergarten »Wiesgärtle«

Sie hat sich um hunderte Reutlinger Kindergartenkinder gekümmert, am Monatsende
geht Rita Scholpp in den Ruhestand. Seit August 1982 arbeitet sie als Erzieherin im evangelischen
Kindergarten »Wiesgärtle« im Stadtteil Voller Brunnen, davor war sie neun Jahre in Orschel-
Hagen im Kindergarten am Berliner Ring.
46 Jahre Kinderbetreuung – da waren schon einige Mütter und Väter bei ihr, die sie selbst als kleine
Kinder mit erzogen hatte und die dann ihre eigenen Kinder zu ihr gebracht haben.

»Die Jahre sind schnell vergangenen«, sagt Rita Scholpp, die viele noch unter dem Nachnamen Bühner kennen. Anfangs habe sie gedacht, in dem kleinen Kindergarten an der Wiesstraße werde sie nicht
lange bleiben. Doch dann hat ihr die Atmosphäre gefallen und aus ein bis zwei Jahren, auf die sie
sich einlassen wollte, sind mehr als 37 Jahre geworden.
Der Stadtteil und die Kinder, die ins »Wiesgärtle« kommen, haben sich im Laufe der Jahrzehnte
verändert. »Kinder sind eigentlich immer nett«, sagt die Erzieherin, aber die familiäre Situation
wirke sich auf die Kinder aus. Dabei meint sie keineswegs Problemfälle, sondern ganz Alltägliches
hat sich ihrer Beobachtung nach gewandelt.
Sie selber sei zum Beispiel gerne in der Natur. Früher seien auch die meisten Eltern mit ihren Kindern
am Wochenende draußen gewesen. Viele der Kinder, die jetzt bei ihr im Kindergarten sind,
würden die Natur aber nur noch aus dem Fernsehen kennen, weil sich die Freizeit der Familie in
Innenräumen abspiele. Wenn dann mal ein Käfer auf der Fensterbank im Kindergarten lande, sei
das »die Sensation«, erzählt Rita Scholpp.
Und was macht sie selbst nun, wenn der Ruhestand beginnt? »Als erstes mache ich gar nichts«,
sagt sie grinsend. Denn schließlich sei es ja ein Ruhe-Stand. Und dann gibt es vielleicht auch mal
unter der Woche das, wofür sonst nur sonntags Zeit war: einen Ausflug auf die Alb.


AUTOR TEXT UND FOTO: JSN / JÜRGEN SIMON