08.02.20

"Auf ein Wort" von Pfarrer Johannes Eißler

Valentin

Am kommenden Freitag wird wieder der Valentinstag gefeiert. Normalerweise würde ich zu den guten Deutschen gehören, die sich aufregen über den ganzen „amerikanischen Rummel“. Oder zu den sparsamen Schwaben, denen schon Weihnachten und Ostern viel zu stark kommerzialisiert ist. Schon aus Prinzip kauft man deshalb ganz bestimmt keine roten Rosen am 14. Februar.
Ich würde so denken, würden wir nicht seit fünf Jahren zum Valentinsgottesdienst in die Andreaskirche nach Eningen einladen.

Pfarrer Johannes Eißler

Zugegeben: der Valentinstag wurde in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich durch hier stationierte US-Soldaten bekannt. Valentin ist aber weder eine Erfindung der Amerikaner noch von Fleurop. Valentin, Bischof von Terni oder von Rom – die Überlieferung ist sich hier nicht ganz sicher –, soll am 14. Februar 269 in Rom hingerichtet worden sein.
Man erzählt sich, dass Bischof Valentin frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt habe. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, hätten unter einem besonders guten Stern gestanden. Musste er sterben wegen seines christlichen Glaubens? Oder womöglich, weil er auch Soldaten traute, die nach kaiserlichem Befehl unverheiratet bleiben sollten? Ledig kämpft sich besser ...
Genaues wissen wir nicht. Aber einen Tag zu haben, an dem Liebende ihre Liebe feiern können, das ist ein schöner Gedanke. Die Tore speziell für Liebende zu öffnen, steht der Kirche gut an. Sagte nicht Paulus: „Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei. Doch am größten von ihnen ist die Liebe.“


Johannes Eißler (58) ist Pfarrer in Eningen unter Achalm