Satire und Sonnenseite

Dr. Joachim Bayer

Heute vor genau 40 Jahren fand die Uraufführung des Films „Das Leben des Brian“ statt. Der Film der britischen Komikergruppe Monty Phyton schied die Geister der westlichen Welt. Einige sahen darin ein geniales Werk der Satire auf religiöse, politische und gesellschaftliche Gegebenheiten, andere – christliche wie jüdische Gruppierungen - waren entsetzt, da sie ihre religiösen Überzeugungen massiv verletzt sahen, und wieder andere fanden den Film schlicht „doof“ und „niveaulos“.
Egal wie man über diesen Film und seiner Wirkung urteilt: zwei Punkte bleiben bedenkenswert.
Der Film zwang die europäischen Gesellschaften zum Abwägen der Grundrechte:
zwischen der Freiheit der Meinung wie der Kunst und der Freiheit der Religion, die für die menschliche Würde jeweils unverzichtbar sind. So formuliert dieser Film in seiner Wirkung zugleich die Frage nach der verantwortlichen Abwägung von Grundrechten, die ihre jeweiligen Grenzen an der Freiheit des anderen finden.
Gott sei Dank leben wir in einer aufgeklärten Gesellschaft, in der die Grundrechte meist sachlich abgewogen werden. Das liegt nicht zuletzt in der christlichen Tradition selbst begründet, die gelernt hat mit Spott und Satire umzugehen. Ich denke hier an eine bekannte Wandschmiererei aus dem antiken Rom:  Ein Junge hebt betend seine Hand zum Kreuz hin. Am Kreuz hängt ein Mann mit einem Eselskopf. Darunter steht gekritzelt: „Alexamenos betet seinen Gott an.“ Eine Karikatur: Gott dargestellt als Esel. Die Christen, die ihn anbeten, sind es ebenso.
Das Christentum hat aber nicht nur gelernt, Spott und Satire auszuhalten, nein, das Christentum weiß grundsätzlich darum, dass seine Botschaft unglaubwürdig, ja fast lächerlich erscheinen muss: Die Botschaft vom Unsterblichen und Ewigen, der sterblich wurde, gestorben ist und als Sterblicher den Tod überwunden hat, ist eine „Torheit“ für die Welt (1. Kor 1,18ff), etwas, das man für „Geschwätz“ (Lk 24,11) halten muss. Dass sehr viele Christen mit Satire souverän und entspannt umgehen, zeugt massiv von der Vernünftigkeit und Humanität des Christentums, das nicht trotz, sondern wegen seines klaren Bekenntnisses um die Relativität von Wahrheitsansprüchen weiß: Wir haben die Wahrheit nur in „irdenen Gefäßen“ (2. Kor 4,7).
Der Film endet mit einer Kreuzigungsszene. Brian singt ein Lied: Weil das Leben “absurd ist und der Tod das letzte Wort hat”, bleibt einem nur Eines: “Always look on the bright side of life”, immer auf die Sonnenseite des Lebens schauen. Dies erinnert stark an die Botschaft des Predigers im Alten Testament: „Wiederum sah ich alle, die Unrecht leiden. Da pries ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr als die Lebendigen, die noch das Leben haben. Und besser daran als beide ist, wer noch nicht geboren ist und des Bösen nicht innewird, das unter der Sonne geschieht.“ (Pred 4,1f) Gerade deshalb: „Genieße das Leben ..., solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat (9,9). Das Neue Testament nimmt diese wirklichkeitsentsprechende Weltwahrnehmung  auf, verzichtet aber darauf, mit den ambivalenten Annehmlichkeiten dieser Welt zu vertrösten: „The bright side of life“ ist ausschließlich im Evangelium wahrnehmbar: „Das Licht leuchtet“, aber nur „in der Finsternis“ (Joh 1,5).
Dr. Joachim Bayer, Schuldekan (48)