Einladung nach Simbabwe

Pfarrerin Cornelia Eberle

Jedes Jahr am ersten Freitag im März reisen Frauen aus über 120 Ländern zusammen in ein vereinbartes Land. Aber halt: nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Herzen. Da feiern sie rund um den Globus einen ökumenischen Gottesdienst, der von Frauen dieses Landes vorbereitet wird. Dieses Jahr ist es Simbabwe, ein Land im südlichen Afrika, von dem wir hier wenig wissen.
Im Gottesdienst wird deshalb zunächst informiert, mit einem besonderen Blick auf die Situation von Mädchen und Frauen. So z.B. darüber, dass - nach Jahrzehnten als britische Kolonie „Rhodesien“ -  Frauen beim Kampf für die Unabhängigkeit in den 60er und 70er Jahren eine wichtige Rolle gespielt haben. In den ersten Jahren der Unabhängigkeit gab es eine große, erfolgreiche Bildungsinitiative. Viele der gut gebildeten Frauen arbeiten heute in Call-Centern  (Telefonzentralen) für internationale Firmen, allerdings zu keinen angemessenen Löhnen. Überhaupt ist die breite Bevölkerungsmehrheit sehr arm. Machtmissbrauch und Misswirtschaft durch den langjährigen Diktator Robert Mugabe haben dazu geführt, aber auch eine verfehlte internationale Politik. Dabei wäre Simbabwe ein fruchtbares und rohstoffreiches Land mit vielen Möglichkeiten.
Dann kommen im Gottesdienst die Christinnen aus Simbabwe zu Wort. Ausgehend von einer Jesusgeschichte möchten sie die Glaubensgeschwister in der Welt (und sich selbst) ermutigen, sich für notwendige Veränderungen einzusetzen. Sie haben u.a. Briefe formuliert, die in verteilten Rollen vorgelesen werden. Mit ihren Worten wird auch gebetet. Und es wird viel gesungen, darunter  Lieder aus Afrika mit ihren eingängigen Melodien und lebendigen Rhythmen.  
Nur einmal im Jahr findet der Weltgebetstag statt. Aber über die Jahre bin ich auf diese Weise schon in der ganzen Welt herumgekommen. Es entstand ein weltweites Band der Verbundenheit. Mein Blick hat sich geweitet, und mein Gefühl von Solidarität mit Frauen, die oft unter unglaublich schwierigen Bedingungen leben müssen, wurde bestärkt.
„Informiert beten – betend handeln“ ist das Motto des Weltgebetstages. So gibt es dieses Jahr eine Unterschriftenaktion dafür, dass Deutschland Simbabwe Schulden erlässt, die das Land sowieso nie würde zurückzahlen können. Und es wird zusammengelegt für Projekte, die Mädchen und Frauen in Simbabwe stärken und unterstützen.  
Seien Sie also – Frauen wie Männer – dieses Jahr herzlich zur Reise nach Simbabwe eingeladen!
Cornelia Eberle (62) ist Pfarrerin an der ökumenischen Citykirche Reutlingen