21.12.20

Auf ein Wort

Pfarrerin Ursula Heller

Wege im Advent

Bisher war die Adventszeit eine Zeit des Unterwegsseins. Doch wie gehen wir in diesem Jahr die Wege im Advent? In einem Jahr, in dem alles, was wir bisher so selbstverständlich getan haben, so selbstverständlich gelebt haben, einfach auf den Kopf gestellt wurde und wird?

Wenn wir aus dieser Zeit etwas Positives ziehen können, dann ist es das Hinterfragen des Gewohnten und Alltäglichen. Dumm, dass es dazu immer Katastrophen braucht. Dass es oft die Konfrontation mit Krankheit, mit Tod ist, die zum Nachdenken bringt.
Nutzen wir die Situation, in die wir geschmissen wurden, als Chance zu einem neuen Nachdenken. Zu einem neuen Nachdenken, das uns dann vielleicht auch gestärkt aus dieser Krise hervorgehen lässt.

Da ist jeder und jede in ihrer und seiner eigenen Verantwortung gefragt. Da ist Verzicht gefragt. Da geht es darum, sein Leben verantwortlich in die Hand zu nehmen und die Dinge im Leben zu ändern, die das Leben nicht mehr lebenswert machen. Sich so in die Dinge der Welt hineinknien, dass das Leben nicht nur für mich, sondern auch für meinen Nächsten lebenswert wird und bleibt. So aufeinander zu hören, dass meine Seele und mein Herz mithört und nicht nur mein Ohr. So miteinander umzugehen, dass auch eigenes Versagen eingestanden werden kann, ohne Angst, das Gesicht vor sich selbst zu verlieren. So miteinander umzugehen, dass auch so etwas wie Vergebung möglich wird, dass nicht „Auge um Auge“ und Zahn um Zahn“ regiert.

Vielleicht gelingt es, wenn wir dieses Jahr das Weihnachtsfest feiern, dass wir in unserem Leben versuchen gut zu machen und zu ändern, was in der bisherigen Lebensgeschichte falsch gelaufen ist. Die Botschaft von Weihnachten macht Mut, dass das möglich ist. Weihnachten steht gegen all die Miesmacher, die sagen: „Da lässt sich ja doch nichts ändern. Der oder die waren schon immer so. Da ist ja doch alles zwecklos.“ Weihnachten macht Mut, aus Selbstgerechtigkeit auszubrechen, um uns selbst und anderen gerecht zu werden.

Weihnachten erinnert daran, dass es höchste Zeit ist, wieder die Augen zu öffnen und auf das zu schauen, was gut ist im Leben, um eben auch das zu bewältigen, was die Seele niederdrückt.
Ich wünsche uns allen, mutig einen klaren Blick auf uns selbst zu wagen und dabei die Realität um uns herum nicht aus den Augen zu verlieren. Das ermöglicht zu sehen und zu hören, was der folgende Text aus einem Krippenspiel uns zuruft:

„Euch werden heute Kinder geboren; nehmt sie in Liebe an.
Euch wird neues Leben geschenkt; rennt nicht Belanglosem nach.
Euch ist auch heute noch Armut sichtbar; behaltet auch sie im Blick.
Euch ist wieder Brot gegeben; macht es zum Brot für die Welt.
Euch wird heute Freude bereitet; überlegt, mit wem ihr sie teilt.
Euch wird die Klarheit des Herrn zuteil; fischt nicht länger im Trüben.
Euch wird eure Begabung bewusst; nehmt sie als Aufgabe an.
Euch trifft Gottes Liebe ins Herz; schenkt sie an andere weiter.“
Euch singen heute die Engel den Frieden!

Pfarrerin Ursula Heller, 59 Jahre, Pfarrerin der Katharinengemeinde seit 1997

14.12.20

Auf ein Wort

Engel im Advent

Der Engel auf der Turmspitze der Marienkirche hat seit 1343 sehr viel gesehen, was sich in der Stadt ereignet hat: Kaum fünf Jahre nachdem er auf dem Turm war, wütete die Pest in der Stadt. 1726 verwüstete der große Stadtbrand Reutlingen und auch die Marienkirche. 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg – holte ihn ein Erdbeben vom Turm. Die Liste der schrecklichen Ereignisse ließe sich fortsetzen bis hin in die Familiengeschichten.
Aber der Engel hat auch gesehen, wie die Menschen in der Stadt es immer wieder geschafft haben, neu anzufangen und Aufbauarbeit zu leisten – sowohl im Gemeinwesen wie in den Familien.
687 Jahre Begleitung durch den »Engel über der Stadt« – er hat sich seine Funktion als Wahrzeichen Reutlingens hart erarbeitet. Auch die jetzige Pandemie wird er »wegstecken«. Weil er größere Zeiträume im Blick hat, weil er auch größere Zusammenhänge im Blick hat. — Solche Aussagen machen wir als evangelische Christen natürlich nicht über die metallene Figur auf dem Turm. Sie selbst hat keine magischen Kräfte und ist kein Schutz-Amulett für die Stadt. Sie ist nur ein Hinweisschild auf die nicht-sichtbare Wirklichkeit der Boten Gottes.
Diese treten in der Bibel oft an besonders wichtigen Stellen auf: wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Botschaft Gottes zu lenken. Meist ist die Situation für die Menschen verwirrend, verstörend, wenn ein Engel hinzutritt. Daher beginnt ihre Botschaft: »Fürchtet euch nicht! Friede sie mit euch!«
In dieser Zeit, in der die einen Angst haben und die anderen Unfrieden verbreiten, in der Weihnachten nicht so gefeiert werden kann, wie wir das über Jahrzehnte gewohnt waren, in dieser Zeit sind diese Worte sehr wichtig. Zugleich sind sie eng mit dem Evangelium von der Geburt Jesu verbunden, die wir am Christfest feiern.
Daher ist der Engel vom Turm der Marienkirche nicht nur schön anzusehen, sondern vor allem Hinweis auf das froh machende Evangelium wie auf die Begleitung durch Gottes Engel – gerade in verstörenden Zeiten.

Jürgen Simon, Diplomtheologe und Kirchengemeinderat in der Evang. Katharinenkirchengemeinde Reutlingen

28.11.20

Auf ein Wort

Dekan Marcus Keinath

Können wir Geduld?
von Marcus Keinath

Immer wieder taucht in Bewerbungsgesprächen die Frage nach den Schwächen auf. Und für manche scheint es dann eine besonders geschickte Antwort zu geben: Ja eine Schwäche von mir ist die, dass ich manches mal zu ungeduldig bin. Das soll dann umgekehrt heißen: Ich bin halt so motiviert, dass es mir nicht schnell genug gehen kann. Und schwuppdiwupp ist aus meiner Schwäche eine vermeintliche Stärke geworden.
Was ich noch nie in Bewerbungsgesprächen erlebt habe, ist allerdings die Frage nach der Geduld. Dabei kommt es doch in ganz vielen Lebenssituationen genau darauf ganz wesentlich an, dass man Geduld hat.
Aktuell brauchen wir viel davon, alle miteinander, um die Belastungen der Pandemie zu ertragen.
Können wir Geduld? Mehr oder weniger ungeduldig warten wir auf ein Ende dieser Pandemiewelle. Wann endlich ebbt sie ab? Wann kommt der Tag, ohne das Signalwort Corona in den Nachrichten? Wann können wir wieder froher und unbekümmerter leben?
In einer der biblischen Ursprachen – im Hebräischen – gab es lange kein richtiges Wort für Geduld. Es wurde oft umschrieben, zum Beispiel mit „einen langen Atem haben“. Unser deutsches „langmütig“ sein kommt aus dieser Tradition. Geduld zu haben – gerade jetzt in dieser Phase der Pandemie – könnte in diesem Sinn dann nicht nur heißen, dass wir viel Unangenehmes und Schlimmes ertragen müssen, sondern auch, dass wir uns in Langmut üben sollten. Wir brauchen einen langen Atem, bis wir wieder aufatmen können. „Gott gab uns Atem, damit wir leben,“ klingt ein neueres Kirchenlied in mir auf. Auch wenn ich gerade im Gottesdienst nicht singen kann, kommen mir immer wieder Textzeilen von Liedern in den Sinn und erinnern mich: Ja, das ist doch meine Hoffnung, dass Gott mir den nötigen Atem schenkt, Langmut, Geduld.
Eine ganz besondere Geduldsprobe ist sicherlich die jetzt beginnende Adventszeit, diese Wartezeit auf das Fest. Wie wir es dieses Jahr feiern werden, ist weithin noch ungewiss, doch dass Gott in uns ankommen wird, oder anders formuliert, dass er mit uns in Kontakt kommen will, unabhängig von allen sonstigen Abstandsgeboten, das bleibt hoffentlich für viele gewiss. Diese Hoffnung lasse ich mir jedenfalls nicht nehmen. Geduld und Hoffnung hängen ja unauflöslich miteinander zusammen. Geduld macht da Sinn, wo Hoffnung ist.
Bleibt am Ende also der Wunsch für uns alle, nach viel Geduld und Hoffnung in dieser Adventszeit 2020. Und wenn uns der Atem auszugehen droht, dann möge der mit seinem Langmut uns neu beatmen, dessen erste Atemzüge wir an Weihnachten feiern. Und für den allemal gilt: Er kann Geduld.

Marcus Keinath ist Dekan
des Evangelischen Kirchenbezirks Reutlingen

14.11.20

Auf ein Wort

Pfarrer Thorsten Eißler

Was man in diesen Zeiten alles teilen kann …
von Thorsten Eißler

Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind … . Ich glaube es gab kein Jahr, seitdem unsere Kinder auf der Welt sind, in dem wir nicht mit den Laternen unterwegs waren. Jede Menge Laternenumzüge und jede Menge Martins – sogar eine Martina – mit oder ohne Pferd. Dabei war die Botschaft immer klar: Wer das teilt, was er oder sie hat, hat doppelte Freude. Ein Gedanke, der auch Jesus wichtig war. „Achtet auf die Menschen, die um Euch herum leben. Und helft, wo ihr gebraucht werdet.“ Das hat er immer wieder versucht seinen Freunden und allen Menschen zu erklären.

Dieses Jahr ist alles anders: Es gibt keine großen Umzüge. Wenn man mit der Laterne unterwegs sein will, dann nur mit der eigenen Familie – oder man gestaltet ein schönes Laternenfenster. Überhaupt irgendwas ‚gemeinsam‘ zu machen ist nicht einfach. Und auch zu teilen fällt in diesem November nicht leicht. Dabei ist es vielleicht gerade jetzt wichtiger denn je. Nicht das Pausenbrot in der Schule und auch nicht die Streichhölzer beim Umzug. Vielleicht aber Zeit. Jemanden anrufen und zuhören. Mal nach meinen Nachbarn schauen. Klingeln und fragen, ob sie was brauchen. Abends wieder eine Kerze ans Fenster stellen. Vielleicht beten. Was ich mir aber dieses Jahr vor allem vornehme: Ich möchte nach Freude suchen. Nach dem, was trotzdem schön ist. Viele Menschen sind von den Schließungen betroffen. Viele stehen vor großen finanziellen Herausforderungen. Deshalb finde ich es so wichtig, nach dem anderen zu suchen. Und genau das dann auch zu teilen. Den schönen Herbsttag, die leuchtenden Farben im Wald, Kinder, die trotzdem lachen und auch die Vorfreude auf den Advent.

Ändern kann ich im Moment nur wenig – aber ich kann meinen Teil dazu beitragen, dass wir alle gemeinsam gut durch diesen November kommen. Indem ich – wie Sankt Martin – das teile, was ich habe.

Thorsten Eißler (42) ist Pfarrer an der Evangelischen Kreuzkirche in Reutlingen.

17.10.20

Auf ein Wort

Pfarrerin Silke Bartel

Freundlichkeit zahlt sich aus
von Silke Bartel

„Ein Kaffee: 7 EURO.
Einen Kaffee, bitte: 4,25 EURO.
Guten Tag, einen Kaffee, bitte: 1,40 EURO“.

Höflichkeit zahlt sich aus.
Zumindest im Café von Fabrice und Patricia Pépino. Der Kaffee, den sie servieren ist immer der gleiche, wird die Bestellung aber einfach nur hingerotzt oder aber freundlich vorgebracht – das ändert die Stimmung und den Preis.

Vor ein paar Jahren war ich im französischen Nizza und dort befindet sich dieses kleine Restaurant La Petite Syrah. Dicke Weinfässer stehen gemütlich vor der Tür. Aber, so warnen Fabrice und Patricia: das Essen ist nicht zum schnellen Verzehr gedacht. Es wird mit Liebe bereitet und soll auch mit Genuss verspeist werden.

Langsamkeit und Höflichkeit, sind beim Essen und Trinken das Höchste, wenn man im Petite Syrah zu Gast ist. Dort in diesem kleinen Restaurant ist Höflichkeit etwas wert, obwohl sie den Höflichen ja überhaupt nichts kostet!

Freundlichkeit und Höflichkeit sind nichts Banales, sie kosten keinen Cent und sind zwischen uns Menschen doch so wertvoll. Weil sie das Leben einfacher und netter machen. Ich zeige, dass ich mich für meinen Mitmenschen interessiere, wenn ich frage: Wie geht es dir eigentlich heute Morgen? Was macht die Arbeit? Alles in Ordnung mit der Familie? Und ich nehme mir Zeit für die Antwort und höre dem anderen zu.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein schönes und freundliches Wochenende. Möge Gottes Segen heute und morgen und alle Tage mit Ihnen sein!

Ihre Silke Bartel,
Pfarrerin der Jubilatekirchengemeinde Orschel-Hagen.

30.10.20

Auf ein Wort

Pfarrer Stephan Sigloch

Reformation
von Stephan Sigloch

Reformation. Sich besinnen auf das Wesentliche. Das wird uns zugemutet seit März. Dabei begleitet mich auch ein Schmerz. Denn Vieles, was wesentlich ist, kann grade nicht sein: Spürbar füreinander da sein, einem Menschen durch Nähe beistehen, ihn in den Arm nehmen oder wenigstens ein Lächeln schenken, wenn die Worte fehlen, sich in einer Gemeinschaft aufgehoben fühlen – etwa beim Singen. Die Liste – Sie wissen es – ließe sich nahezu beliebig verlängern.

Vergangenen Sonntag hat ein Freund gesagt, seine Aufgaben kosteten ihn erheblich mehr Energie, weil die Routinen fehlen, weil alles, sofern es möglich, auch sehr kompliziert ist. Darin steckt die Erfahrung, dass Corona und die notwendigen Regeln auch irgendwie unser Leben reformiert: Vertraute Formen ändern sich. Manche – etwa, dass in der Demokratie die Parlamente die Entscheidungen treffen – müssen wir wiedergewinnen oder verteidigen. Anderes ist womöglich ein Gewinn: Dass für ein Meeting nicht mehr mehrere Leute um die halbe Welt jetten zum Beispiel.

Neulich ging ein Filmchen durch Whatsapp: Ein kleiner Junge, einen schicken Fahrradhelm auf dem Kopf, betastet vorsichtig die spitzige Schale eine Kastanie und sagt: „Ich glaube, das ist Corona …“ – wie wirkt sich die Unsicherheit der Pandemie auf die Kinder aus, die damit großwerden? Wie verändern wir uns, wenn – wie ich es etwa im Konfi-Kurs beobachte – wenn jugendliche Unbeschwertheit der dauernden Unsicherheit weicht, womöglich gerade eine Regel zu verletzen, etwas falsch zu machen?

Die Reformation – vor 500 Jahren hat Luther die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ veröffentlicht – erzählt im Kern von der Freiheit, die der christliche Glaube eröffnet. Anders, als wir es vielleicht beim ersten Hören vermuten, ist es aber nicht die „Freiheit von …“ irgendetwas. Sondern eine „Freiheit für …“. Wie ist das zu verstehen?

Bei den Konfirmationen Anfang Oktober erinnerten wir den Satz: „Christen gestalten ihr Leben bewusst als Leben mit anderen und für andere und schauen nicht nur nach sich selber. Jesus Christus ist unser Vorbild dafür“. Ich bin davon befreit, dass sich alles um mich drehen muss. Und darum frei dafür, mein Leben verantwortlich, als Antwort an Gott zu gestalten. Mit einem Satz: „Ich möchte gerne so sein, wie Gott mich haben will, weil er mich behandelt, als wäre ich schon so.“ (H. Frank)


Stephan Sigloch (56) ist Pfarrer in der evangelischen Kreuzkirchengemeinde in Reutlingen

02.10.20

Auf ein Wort

Erntedank
von Michael Dullstein

Die Früchte des Sommers fallen zu Boden. Sie kommen uns zum Teil direkt als Nahrungsmittel zu Gute: Äpfel, Tomaten, Karotten und vieles mehr. Zu einem anderen Teil bleiben sie schlicht am Boden liegen und scheinen verloren. Erst im Frühling erkennen wir, dass sie noch Kraft in sich trugen. Sie werden zu neuen Pflanzen.

So ist es überhaupt mit unserem Leben. Es wächst und reift. Und dann am Ende verschenkt es sich entweder unmittelbar an ein anderes Leben: Eltern vererben ihren Besitz und ihre Lebenshaltungen an ihre Kinder. Oder aber das Leben geht jenen anderen Weg: Es läuft ins Leere und gerät in Vergessenheit. Firmen gehen Pleite. Gute Projekte finden keine Nachahmer. Alles scheint aus. Erst eines Tages wird erkennbar, dass eben daraus Neues empor sprießt.

Unsere Zeit macht auf viele den Eindruck, sich insgesamt ihrem Ende zuzuneigen. Ich möchte daher Mut machen zu den Fragen: Welche Früchte der jetzt vergehenden Zeit kommen uns direkt zu Gute? Welche bleiben vorerst liegen? Ich selbst sehe in den allgemeinen Menschenrechten reife Früchte unserer Zeit. Wir können sie einbringen in die neuen Lebensbedingungen. Wir können sie auch fallen lassen. Aber dann sprießen sie nur umso kräftiger eines Tages aus dem Nichts wieder empor. An diesem Freitag wird um 19.00 Uhr in der Citykirche genau zu diesen Fragen ein Gottesdienst gefeiert unter dem Thema „Grenzenlose Solidarität“ (auch online unter: meingd.de/fluechtling).

Auch die Tatsache, dass wir seit über zwanzig Jahren am 3. Oktober zum Tag der offenen Moschee eingeladen sind, ist für mich so eine Frucht. Dank der Initiative unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger brauchen wir uns als Nichtmuslime und Muslime nicht mehr gegenseitig als Fremde begaffen. Sondern wir haben gelernt, uns persönlich zu begegnen.

Und schließlich, dass wir dieses Jahr alle gemeinsam eine Krise durchleben und sagen können: „Wir halten zusammen mit Abstand, mit Meinungsverschiedenheiten, mit allem, was wir noch nicht verstehen, aber wir halten zusammen.“ Auch das ist eine Frucht für die wir einander sehr, sehr dankbar sein können. Und die wir hineintragen in alles, was kommt.

Michael Dullstein (44) ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Reutlingen-Hohbuch.