Was für ein Vertrauen

Pfarrer Martin Burgenmeister

Dieser Satz – ohne Punkt, Frage- oder Ausrufezeichen – ist das Motto der Kirchentags 2019.
Gut gewählt, empfinde ich. Denn wir leben in einer Zeit eines vielfach erschütterten Vertrauens. Vieles um uns verändert sich. Dass sich das Klima ändert, hat inzwischen sogar der amerikanische Präsident zugeben müssen. Viele Fragen erheben sich: Wird es gelingen, den Wandel des Klimas und den Verlust der Artenvielfalt noch zu stoppen - so, dass die natürlichen Grundlagen unseres Lebens auf der Erde erhalten bleiben? So, dass auch die nachwachsenden Generationen noch in einer Welt leben können, die uns schenken kann, was wir zum Leben brauchen: gesunde Nahrung, Sonne, Regen, Hitze und Frost in einem gut ausgeglichenen Maß?
In der Weltgeschichte gab es immer wieder Krisen mit Zukunftsängsten. Immer wieder standen Menschen vor der Frage: Wie können wir darauf vertrauen, dass es einen guten Weg in die Zukunft gibt?
Die Lage, in der der kurze Satz der Kirchentagsmottos (traditionell: der Losung) ursprünglich ausgesprochen worden ist, war ziemlich aussichtslos. Die Großmacht Assyrien hatte das Nordreich Israel erobert und die Hauptstadt Samaria zerstört. Nun stehen die assyrischen Truppen vor Jerusalem. Der bereits bezahlte Tribut – eine große Summe – stellt die Assyrer nicht zufrieden. Hiskia, der Ende des 8. Jahrhunderts vor Christus König in Juda ist, will die Stadt den Assyrern nicht preisgeben. Da stellt der Heerführer der assyrischen Truppen dem Hiskia die skeptische Frage: Was ist das für ein Vertrauen, das du da hast? (2. Könige 18,19) Er fragt nach dem Grund, weshalb Hiskia nicht aufgibt. Angesichts der assyrische Übermacht erscheint es als irrsinnig, nicht aufzugeben.
Das Vertrauen des Hiskia ist das verzweifelte Hoffen und Vertrauen auf den Gott Israels. Er betet inständig. Er muss noch weitere Drohungen hören. Doch am Ende kann er aufatmen. Im Heerlager der Assyrer sterben Tausende. Die Assyrer ziehen daraufhin ab. Jerusalem ist gerettet. Das Gottvertrauen des Hiskia ist nicht enttäuscht worden.
Im Jahr 2019 sind es nun nicht übermächtige militärische Feinde, die drohen. Aber es bedrohen uns Entwicklungen, die ebenfalls als übermächtig erscheinen können. Die Frage ist: Resignation oder (Gott-)Vertrauen? Ich bin gespannt, was die Gruppe aus Reutlingen, die ich zum Kirchentag begleite, mitbringen wird an Impulsen, die Vertrauen und Zuversicht bestärken können.

Martin Burgenmeister, Pfarrer an der Christuskirche in der Kirchengemeinde Reutlingen West-Betzingen