31.07.20

Seit 44 Jahren im Kindergarten

Reutlingen – Ein kleines Fest mit den Kindern – mehr war es nicht, was Petra Binsch zu ihrem Abschied vom evangelischen Kindergarten »Arche« feiern konnte. Sie geht ab August in Ruhestand und hätte sich eigentlich gewünscht, aus diesem Anlass ein Sommerfest mit Eltern, Kindern und Erzieherinnen sowie mit weiteren Menschen aus der Kreuzkirchengemeinde zu feiern. Doch Infektionsschutz geht vor und daher blieb es beim Abschied im kleinen Kreis.

Ab 1976 war Petra Binsch direkt nach ihrer Ausbildung in Tübingen das erste Mal als Erzieherin in dem Kindergarten an der Payerstraße tätig. Nach fünf Jahren machte sie aber Familienpause und war danach an anderen Orten beschäftigt, bis sie 2003 zur Leiterin des evangelischen Kindergartens gewählt wurde, der ganz in der Nähe der Kreuzkirche liegt.

Seitdem hat sich einiges verändert in der Einrichtung. Statt starrer Gruppen, die nur abwechselnd bestimmte Spiel-Orte nutzen konnten, gibt es nun ein offenes System, bei dem die Kinder dorthin zum Spielen dürfen, wo es ihnen am besten gefällt. Statt »Stundenplänen« für die ganze Gruppe entwerfen die Erzieherinnen Pläne zur individuellen Förderung der Kinder. Auch die Eltern sind in den vergangen Jahren stärker in die Arbeit einbezogen worden als früher und engagieren sich ehrenamtlich. Es gibt sogar eine Theatergruppe der Kindergarten-Eltern.

Corona-bedingt hat dies alles in den vergangenen Monaten aber nicht mehr so stattfinden können wie zuvor, auch Petra Binsch durfte nicht zu »ihren« Kindern, weil sie zur Risikogruppe der über 60jährigen gehört. Sie war nur nachmittags im Büro, wenn die Kinder weg waren. Der Kindergarten-Betrieb läuft seit rund einem Monat zwar wieder im zeitlich gleichen Umfang wir früher, aber mit reduzierter Platzzahl und verringerten Außenkontakten.

»Ich wünsche mir für die Kinder, dass bald wieder völlige Normalität einkehrt mit Ausflügen, Festen und Elternbesuchen im Kindergarten«, nennt Petra Binsch als Wunsch für die Zukunft. Und sie selbst? Was wünscht sie sich für den Ruhestand? Sie hat da noch ein »Kind«, das sie vor Jahren aus der Taufe gehoben hat und das Corona-bedingt gerade auch nicht spielen kann: das Theater »Die Mausefalle«. Im Kreis der dort Engagierten will sie weiterhin aktiv bleiben und hofft, dass es dort 2021 wieder heißt »Vorhang auf!«.

Autor: Jürgen Simon