29.03.21

Vorbeugung gegen sexualisierte Gewalt

Reutlingen – Im Evangelischen Kirchenbezirk Reutlingen wird ein Schutzkonzept zur Vorbeugung gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen erarbeitet. Das beschloss die Synode des Kirchenbezirks bei ihrer Frühjahrstagung (die im Online-Format am Freitagabend, 26. März ,stattfand). Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat bereits 2014 eine zentrale Präventionsstelle eingerichtet. Sie will nun verstärkt dezentrale Schutzkonzepte fördern.

Diakonin Miriam Günderoth, die beim Evangelischen Oberkirchenrat die Präventionsarbeit koordiniert, machte der Synode deutlich, dass Kinder und Jugendliche nach wie vor Schwierigkeiten hätten, bei sexualisierter Gewalt gehört zu werden. Bis zu acht Personen müssten sie ansprechen, um Hilfe zu bekommen, zeigten verschiedene Studien. 15 700 Kinder und Jugendliche seien bundesweit im Jahr 2019 sexualisierter Gewalt ausgeliefert gewesen, so die offizielle Statistik. Die Dunkelziffer liege um ein Vielfaches höher.

Da die evangelische Kirche Spiegelbild der Gesellschaft sei und außerdem in großen Umfang Kinder und Jugendarbeit betreibe, müsse man damit rechnen, so Diakonin Günderoth, dass sich »Tatgeneigte« diesen Bereich heraussuchen. In vielen Fällen gingen die (meist männlichen) Täter strategisch-planend vor. Sie testeten sowohl die Kinder wie die Mitarbeiterschaft auf Reaktionen zu ihrer Übergriffigkeit. Drei Viertel aller Taten geschehe aus einem vertrauten Umfeld heraus, referierte die Diakonin.
Sensibilisierung durch Schulungen und Standards für ein koordiniertes Vorgehen bei Verdachtsmomenten sind nach Überzeugung der Kirchenverantwortlichen in allen Bereichen, in denen Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen aufgebaut werden, notwendig. Spontane Reaktionen und Alleingänge gegenüber Tätern seien in der Regel kontraproduktiv, berichtete Miriam Günderoth aus ihren Erfahrungen. Es brauche klare Standards und zugleich für das jeweilige Geschehen und das jeweilige Kind ein durchdachtes Vorgehen.

Dazu biete ein Schutzkonzept mit Risikoanalysen, Handlungsanweisungen und klaren Ansprechpartnern den notwendigen Rahmen, ergänzte Daniela Reich, Pfarrerin beim Dekan, die die Arbeitsgruppe für ein solches Konzept auf Bezirksebene einberufen wird. Das Ergebnis dieser Gruppe soll der Synode vorgelegt werden. Die Kirchengemeinden können es sich dann zu eigen machen und mit ihrer örtlichen Situation ergänzen.

Weitere Themen der Bezirkssynode waren die bereits in der Presse veröffentlichten Planungen für ein Diakonisches Zentrum Christuskirche in Reutlingen, verbunden mit einer Vorstellung der Arbeit des Diakonieverbands durch dessen Geschäftsführer, Joachim Rückle, sowie die Umschichtung von Kirchensteuermitteln in der Kindergartenarbeit.

Text: Jürgen Simon