16.03.20

Nicht Furcht, sondern Vertrauen

Dekan Marcus Keinath

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2.Timotheus 1,7).

Ein Bibelwort, das in diesen Tagen der Ausbreitung des Corona-Virus viel zitiert wird. Mir tut es gut, um mich selber davor zu bewahren, nur bei den Nachrichten hängen zu bleiben, die meine Sorgen verstärken.

Wir alle machen uns jetzt Sorgen. Was macht das Virus mit meinen Lieben, mit mir, mit meinen Freundinnen und Freunden, meinen Kolleginnen und Kollegen, mit meiner wirtschaftlichen Grundlage, mit unserer Gesellschaft, mit unserer Solidarität, unserer Kultur usw. Fragen über Fragen und ganz viel Ungewissheit. Vor allem aber, wie lange wird es denn dauern bis wir wieder in einen Normalmodus kommen dürfen?

Wir brauchen alle miteinander viel Kraft, viel Liebe und Besonnenheit.
Wir müssen Entscheidungen treffen, wie wir uns verhalten, das kostet Kraft.
Wir überlegen, was als Zeichen der Liebe in Corona-Zeiten gelten kann, wenn wir – wie es die Experten sagen – auf „soziale Distanz“ gehen sollen. Ja in der direkten persönlichen Begegnung, mit dem Verzicht auf den Handschlag, mit dem nötigen Abstand, aber dann viel mehr Kontakt als sonst via Telefon und Online?(!) Vielleicht erweisen sich jetzt die sogenannten sozialen Medien als wirklich sozial? Das haben wir jetzt in der Hand, jedenfalls dann, wenn wir besonnen mit den Corona-Herausforderungen umgehen, das heißt vor allem, nüchtern auf die Fachleute zu hören und ihren Empfehlungen zu folgen. Auch dass wir die politischen Vorgaben umsetzen und nicht meinen, selber alles besser wissen zu können.
Und dann denke ich an eine Form der Besonnenheit, für die ich mir vielleicht sonst zu wenig Zeit nehme. Manche nennen sie „Stille Zeit“, eine Zeit für mich und meinen Glauben, für meine Gedanken und Gefühle, auf die ich mich besinne im stillen Gespräch mit meinem Gott.

Und wenn ich so ruhig werde, dann denke ich auch an die, die infiziert, die erkrankt sind, die um ihr Leben bangen. Dann denke ich an all die Menschen in den medizinischen Berufen, die sich jetzt für uns alle einsetzen und übermenschliches bewirken, an Zuwendung und Hilfe. Dann denke ich an die, die die Last der Verantwortung in Politik, Wissenschaft und Gesundheitswesen tragen müssen.

Für sie alle will ich meine Hände falten und darauf vertrauen, was ein Liederdichter einmal in schwerer Zeit geschrieben hat:
Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht er stark zur Tat.
Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.

Dekan Marcus Keinath