07.05.20

Gottesdienst in Kirchen - anders als gewohnt

Reutlingen. Ab Sonntag dürfen Gottesdienste und Andachten wieder am gewohnten Ort und in Gemeinschaft mit Anderen gefeiert werden – allerdings mit besonderen Hygiene- und Abstandsregelungen. Dazu erarbeiten alle Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenbezirk Reutlingen wohl überlegt und umsichtig entsprechende Infektionsschutzkonzepte. Die Freude auf das gemeinsame Feiern "von Angesicht zu Angesicht" ist groß, gleichwohl ist allen bewusst, dass durch die Infektionsschutzmaßnahmen die Gottesdienste anders sein werden als gewohnt.

„Wir sind gut vorbereitet, haben die Stühle im Gottesdienstraum im vorgegebenen Abstand aufgestellt – für einzelne Personen und für Leute, die zusammenwohnen. Desinfektionsmittel ist besorgt, Gesangbücher sind weggeräumt, der Sonntag kann kommen.“ sagt Pfarrer Stephan Sigloch, der am Sonntag um 10.15 Uhr den Gottesdienst in der Kreuzkirche Reutlingen gemeinsam mit seiner Kollegin Melanie Scheede leiten wird. „Für die gegebenenfalls nötige Infektionsnachverfolgung werden wir Datum, Namen und Telefonnummer oder Adresse der Gottesdienstbesucher*innen notieren.“

Zu den Schutzmaßnahmen, die Land und Kirchen für Gottesdienste vorgegeben haben, gehört ein Mindestabstand von zwei Metern, woraus sich dann für jede Kirche eine Höchstzahl an Teilnehmenden ergibt. Das Mitbringen und Tragen von Mund-Nase-Schutz wird empfohlen. Die Gottesdienste sind kurz, ohne Abendmahl und ohne gemeinsamen Gesang. Musik gibt’s natürlich trotzdem und Lieder auch: sie werden solistisch gesungen.

Für die evangelischen Gottesdienste gibt es keine Voranmeldung.

Vor dem Evangelischen Gemeindezentrum Hohbuch findet am Sonntag um 10 Uhr ein Platzkonzert mit Bläser*innen des Reutlinger Posaunenchores statt. Anschließend lädt die Kirchengemeinde ein zu einer kurzen Andacht mit Stille, Gebet und Wort auf den Weg.

Die Kirchengemeinde Reutlingen West-Betzingen bietet zwei Gottesdienste an, um 10 Uhr in der Mauritiuskirche und um 11 Uhr in der Christuskirche. Platzkarten werden am Eingang ausgeteilt, Gesichtsmasken sind mitzubringen.

Wie berichtet kann in der Reutlinger Marienkirche bereits um 8 Uhr ein Frühgottesdienst besucht werden; um 10 Uhr gibt es einen musikalischen Gottesdienst mit W. A. Mozarts Solokantate „Exsultate, jubilate“. Beide Gottesdienste hält Prälat Dr. Christian Rose.

In der Auferstehungskirche, der Katharinenkirche und der Jubilatekirche in Reutlingen finden am kommenden Sonntag noch keine öffentlichen Gottesdienste statt. Die Auferstehungsgemeinde lädt zu einem online kreAKtiv-Gottesdienst ein, eine gottesdienstliche Videokonferenz sozusagen. Den Link zur Teilnahme gibt’s auf www.auferstehungskirche-reutlingen.de. Die Sonntagspredigt zum Anhören findet sich auf der Website der Jubilategemeinde, www.jubilatekirche-reutlingen.de.

Auch im Reutlinger Norden und Nordwesten, im Echaztal und auf der Alb öffnen die Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Reutlingen die Kirchentüren für Gottesdienste mit physisch anwesender Gemeinde. Ob bereits am Sonntag Kantate, 10. Mai oder zu einem späteren Zeitpunkt entnehmen Sie bitte den Informationen auf den Websites der jeweiligen Gemeinden.

In Eningen hat beispielsweise der evangelische Kirchengemeinderat nach gemeinsamen Beratungen beschlossen, mit einer Kirche im Grünen am Mittleren Markweg am Himmelfahrtstag die Feiern öffentlicher Gottesdienste wieder aufzunehmen. Der Gottesdienst am 21. Mai am Feldkreuz beginnt um 11 Uhr.

Das Gremium habe intensiv darum gerungen, einen stimmigen Startpunkt zu finden, sagt Kirchengemeinderatsvorsitzende Ingrid Schaar. Mit der Vorstellung, dass nur 30 bis 40 Personen mit Mundschutz und großem Sicherheitsabstand in der Kirche sitzen und kein Gemeindegesang erklingen dürfe, habe man sich aber schwerlich anfreunden können. Deshalb habe das Gremium gegen einen Start bereits zum 10. Mai gestimmt. Da würde man sich „gemeinsam einsam fühlen“, meinte Pfarrerin Regina Lück. Ihr gehe es darum, im Gottesdienst die Nähe und Liebe Gottes spürbar zu machen, unter den momentan geltenden Maßnahmen fehle jegliche Form von Geborgenheit im Haus Gottes.


Bei Freiluft-Gottesdiensten seien einhundert Personen zugelassen und die Abstandsregeln leichter einzuhalten, so Pfarrer Johannes Eißler, der den Himmelfahrtstag für einen guten Termin für einen Neustart hält. „Wir werden weiter mit Lesepredigten, Videobotschaften und Telefongesprächen den Kontakt zu den Gemeindegliedern halten“, sagt der geschäftsführende Pfarrer, der sich freut, dass der RTF.1-Fernsehgottesdienst aus der Andreaskirche vom 26. April allein auf Youtube über 550 Mal abgerufen wurde.


In Holzelfingen und Ohnastetten hingegen beginnen Präsenzgottsdienste in den Kirchen schon am 10. Mai. "Für diejenigen, die zu Hause bleiben, versuchen wir erstmals ein „Live-Telefonstreaming“, mit dem wir den Gottesdienst über eine Telefonkonferenz übertragen. Davon erhoffen wir uns, dass auch ältere Gemeindeglieder mit „ihrem“ Medium Zugang finden.", sagt Pfarrer Sebastian Schmauder.  Die Telefonandacht zum individuellen Abruf, die das Pfarramt Holzelfingen seit Beginn der Corona-Krise anbietet, wird laut einer Meldung der Kirchengemeinde erfreulich oft angenommen. (dr)