05.11.20

Gedenkstunde zur Pogromnacht am 9.11.

Reutlingen. Die Gedenkstunde an die Pogrome vom 9. und 10. November 1938 muss für 2020 aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Seit 1988 veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Reutlingen (ACK) gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde, Schulen in der Stadt und der Stadt Reutlingen dieses jährliche Gedenken in der Marienkirche.

Die diesjährigen Vorbereitungen seitens der Lehrer*innen und Schüler*innen der Laura-Schradin-Schule waren schon weit gediehen. Da kam im Oktober die Order des baden-württembergischen Kultusministeriums, dass außerunterrichtliche Veranstaltungen nicht gestattet sind. Die anschließenden Bemühungen, die inhaltlichen Beiträge der Schüler*innen zur Gedenkstunde durch Video- und Audiobeiträge beizusteuern, wurden durch die Entwicklung der Corona-Pandemie ausgebremst.

Schulleiter Norbert Pellens und Pfarrer Martin Burgenmeister, Koordinator der Gedenkstunde seitens der ACK, teilen daher mit: »Wir haben schweren Herzens entschieden, dass die Gedenkstunde am 9. November 2020 in der Marienkirche nicht stattfindet. Wir hoffen, dass die Gedenkstunde 2021 mit den inhaltlichen und musikalischen Beiträgen der Laura-Schradin-Schule gestaltet werden kann.«

Das Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Reutlingen soll aber nicht ganz ausfallen: Die jüdische Gemeinde, Vertreter der Stadt Reutlingen, der Laura-Schradin-Schule und der ACK halten in nichtöffentlicher Form das Gedenken wach.

Die Veranstalter bitten die Gemeindeglieder, am Montag, 9. November, am Abend zu Hause innezuhalten und der Opfer des NS-Terrors an jüdischen Bürgern in Deutschland zu gedenken. Auch das diene dem Widerstand gegen den in Deutschland leider wieder aufflammenden Antisemitismus.

Die Israelitische Religionsgemeinschaft und die Gesellschaft für christlich-jüdischen Zusammenarbeit in Stuttgart laden am 9. November ein zur Teilnahme an einem Online-Gedenken um 18 Uhr: www.irgw.de/gedenken.

Text: Jürgen Simon