03.05.21

Damit allen geholfen ist

Reutlingen. Am Anfang stand der Wunsch, etwas gegen die schwierige Wohnungssituation in Reutlingen zu tun. Bezahlbarer Wohnraum fehlt überall. Besonders junge Menschen, die aufgrund eines Studiums oder zur Ausbildung in die Stadt kommen, suchen oft vergeblich. Während einerseits weltweit Fachkräfte angeworben werden und unsere Hochschulen Angebote für internationale Studierende ausbauen, fehlen gerade in den Städten akzeptable Wohnmöglichkeiten. Hinzu kommen die Menschen, die aufgrund von Flucht und Vertreibung in Reutlingen einen Neuanfang versuchen, aber in den Unterkünften weder Privatsphäre noch Ruhe finden.

Bei der Suche nach Ideen, wie auch kurzfristig Lösungen aussehen und die Situation entspannen könnten, war eine Erkenntnis zentral: es gibt genügend Wohnraum, der aber aus unterschiedlichen Gründen nicht genutzt wird. Für Pfarrer Dr. Joachim Rückle, Geschäftsführer des Diakonieverbandes, begannen damit die Überlegungen, wie diese Ausgangslage sowohl für Wohnungssuchende, als auch für Wohnungsgeber*innen zum Vorteil werden könnte. 

Und schon war die Projektidee geboren: Menschen mit Unterstützungsbedarf und ausreichend nicht genutztem Wohnraum bieten denen, die auf dem freien Wohnungsmarkt wenig Chancen auf eine bezahlbare Wohnung haben, eine günstige Wohnmöglichkeit an und profitieren gleichzeitig von deren Unterstützung im Alltag. Das Leben unter einem Dach ermöglicht ein besseres Verständnis füreinander und bietet zusätzliche Teilhabechancen. Dabei wird der Diakonieverband sowohl die passgenaue Vermittlung, als auch eine Begleitung dieser Wohnsettings sicher stellen. Ehrenamtliche Wohnpat*innen sollen dazu wesentlich beitragen.

Eine Herausforderung ist es natürlich: Hilfe annehmen und gewähren zu können, einem fremden Menschen mit Offenheit zu begegnen, Gewohntes neu überdenken – aber auch neue Perspektiven und den Gewinn im Miteinander entdecken. Hier liegen die Aufgaben von Christine Kuhnle und Peter Donecker, die das Projekt gemeinsam voran bringen wollen. Zunächst geht es ja darum, viele mögliche Beteiligte anzusprechen und für diese neue Idee gemeinsamen Wohnens zu interessieren. Trotz Corona wird eine individuelle Information und Beratung, ob telefonisch oder persönlich ab sofort möglich sein. Die individuelle Situation, die Möglichkeiten und Wünsche stehen dabei im Vordergrund und auch eine realistische Einschätzung, ob und unter welchen Bedingungen eine Wohngemeinschaft tatsächlich einen Gewinn für beide Seiten darstellt. Diese erste Beratung ist natürlich unverbindlich und wie die weiter gehenden Angebote kostenlos. Die Projektförderung durch  den europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, die Lechlerstiftung und das Diakonische Werk Württemberg sichert die Pilotphase für drei Jahre. 

Aktuelle Informationen und Kontaktdaten finden sich auf der homepage des Diakonieverbandes.

 

Text: Dr. Joachim Rückle