14.11.20

Auf ein Wort

Was man in diesen Zeiten alles teilen kann

Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind … . Ich glaube es gab kein Jahr, seitdem unsere Kinder auf der Welt sind, in dem wir nicht mit den Laternen unterwegs waren. Jede Menge Laternenumzüge und jede Menge Martins – sogar eine Martina – mit oder ohne Pferd. Dabei war die Botschaft immer klar: Wer das teilt, was er oder sie hat, hat doppelte Freude. Ein Gedanke, der auch Jesus wichtig war. „Achtet auf die Menschen, die um Euch herum leben. Und helft, wo ihr gebraucht werdet.“ Das hat er immer wieder versucht seinen Freunden und allen Menschen zu erklären.

Dieses Jahr ist alles anders: Es gibt keine großen Umzüge. Wenn man mit der Laterne unterwegs sein will, dann nur mit der eigenen Familie – oder man gestaltet ein schönes Laternenfenster. Überhaupt irgendwas ‚gemeinsam‘ zu machen ist nicht einfach. Und auch zu teilen fällt in diesem November nicht leicht. Dabei ist es vielleicht gerade jetzt wichtiger denn je. Nicht das Pausenbrot in der Schule und auch nicht die Streichhölzer beim Umzug. Vielleicht aber Zeit. Jemanden anrufen und zuhören. Mal nach meinen Nachbarn schauen. Klingeln und fragen, ob sie was brauchen. Abends wieder eine Kerze ans Fenster stellen. Vielleicht beten. Was ich mir aber dieses Jahr vor allem vornehme: Ich möchte nach Freude suchen. Nach dem, was trotzdem schön ist. Viele Menschen sind von den Schließungen betroffen. Viele stehen vor großen finanziellen Herausforderungen. Deshalb finde ich es so wichtig, nach dem anderen zu suchen. Und genau das dann auch zu teilen. Den schönen Herbsttag, die leuchtenden Farben im Wald, Kinder, die trotzdem lachen und auch die Vorfreude auf den Advent.

Ändern kann ich im Moment nur wenig – aber ich kann meinen Teil dazu beitragen, dass wir alle gemeinsam gut durch diesen November kommen. Indem ich – wie Sankt Martin – das teile, was ich habe.

Pfarrer Thorsten Eißler, Evangelische Kreuzkirchengemeinde Reutlingen.

17.10.20

Auf ein Wort

Pfarrerin Silke Bartel

Freundlichkeit zahlt sich aus

„Ein Kaffee: 7 EURO.
Einen Kaffee, bitte: 4,25 EURO.
Guten Tag, einen Kaffee, bitte: 1,40 EURO“.

Höflichkeit zahlt sich aus.
Zumindest im Café von Fabrice und Patricia Pépino. Der Kaffee, den sie servieren ist immer der gleiche, wird die Bestellung aber einfach nur hingerotzt oder aber freundlich vorgebracht – das ändert die Stimmung und den Preis.

Vor ein paar Jahren war ich im französischen Nizza und dort befindet sich dieses kleine Restaurant La Petite Syrah. Dicke Weinfässer stehen gemütlich vor der Tür. Aber, so warnen Fabrice und Patricia: das Essen ist nicht zum schnellen Verzehr gedacht. Es wird mit Liebe bereitet und soll auch mit Genuss verspeist werden.

Langsamkeit und Höflichkeit, sind beim Essen und Trinken das Höchste, wenn man im Petite Syrah zu Gast ist. Dort in diesem kleinen Restaurant ist Höflichkeit etwas wert, obwohl sie den Höflichen ja überhaupt nichts kostet!

Freundlichkeit und Höflichkeit sind nichts Banales, sie kosten keinen Cent und sind zwischen uns Menschen doch so wertvoll. Weil sie das Leben einfacher und netter machen. Ich zeige, dass ich mich für meinen Mitmenschen interessiere, wenn ich frage: Wie geht es dir eigentlich heute Morgen? Was macht die Arbeit? Alles in Ordnung mit der Familie? Und ich nehme mir Zeit für die Antwort und höre dem anderen zu.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein schönes und freundliches Wochenende. Möge Gottes Segen heute und morgen und alle Tage mit Ihnen sein!

Ihre Silke Bartel,
Pfarrerin der Jubilatekirchengemeinde Orschel Hagen.